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1. Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen und warum?
Als ich aufs Gymnasium kam wollte ich Gitarre lernen. Da ich in der Schul-Bigband spielen wollte und es dort schon genug Gitarristen gab, habe ich 5 Jahre Klarinetten- und Saxophon-Unterricht gehabt. In der Bigband habe ich dann auch Saxophon gespielt. Zu der Zeit habe ich aber vor allem Gitarrenmusik gehört; viel Dire Straits, etc. Daher wurde der Wunsch Gitarre zu spielen immer grösser. Ich habe mir dann endlich zu meinem 16.Geburtstag eine Gitarre gekauft.

2. Das Trio wirkt sehr homogen, seit wann kennst du Eva Kruse und Eric Schaefer und seit wann spielt ihr zusammen?
Eva habe ich kennen gelernt als sie 15 und ich 18 Jahre alt war. Unser Bigband-Leiter hat an unserer Schule Wochenend-Jazzworkshops organisiert. An einem dieser Workshops hat Eva teilgenommen. Damals hat sie gerade angefangen E-Bass zu spielen; vorher hat sie ja sehr viel klassisches Klavier gespielt. Dann haben wir uns im LJJO-Schleswig-Holstein wiedergetroffen, wo wir einige Jahre zusammengespielt haben; übrigens zusammen mit Nils Tegen, dem FIROMANUM-Schlagzeuger. Dann hat Eva auch an der UdK Berlin mit Eric und mir studiert. Und im BuJazzO haben wir ebenfalls zusammengespielt. Dort entstand dann die FIROMANUM-Idee mit Niels Klein. Ausserdem spielen wir zusammen im Danish-German Jazzsextet
Ich habe ein Jahr vor Eric angefangen zu studieren (zusammen mit Carsten Daerr). Eric und ich haben uns im alten Schlot bei einer Session kennen gelernt 1997. Wir haben uns sehr gut unterhalten bis herauskam, dass er in einigen Wochen an der UdK sein Studium anfangen wird. Seitdem haben wir sehr viel miteinander gespielt. Wir hatten während des Studiums die Band „Pantonal Pilots“ (Uwe Steinmetz, Carsten Daerr, Oli Potratz, Eric und ich) mit der wir viel gemacht haben. Wir haben bei vielen Projekten von Uwe zusammengespielt. Und während des Studiums begann das Trio, zuerst noch mit Oli Potratz am Bass. Mit dieser Besetzung haben wir auch für die von Yehudi Menhuin gegründete Organisation „Live Music Now“ gespielt, die Konzerte in sozialen Einrichtungen organisiert. So hatten wir u.a. mehrere Konzerte im Gefängnis, Drogenentzugsanstalten, Einrichtungen für Behinderte, u.ä.. Das waren sehr wertvolle Erfahrungen, weil wir gemerkt haben, welche Bedeutung die Musik haben kann. Nämlich eine aufbauende, unterstützende Funktion, die Menschen helfen kann. Das war heilsam, da ich damals eigentlich so abgefahren und hip wie möglich spielen wollte, was zur Folge hatte ,das wir des öfteren am Publikum vorbei spielten. In der Studiumszeit habe ich viel Musik zum Selbstzweck, weniger Musik, der Musik zuliebe gemacht.
Das Trio entstand so um 2000.

3. Was schätzt du an ihnen besonders?
Eva und Eric sind zwei meiner besten Freunde. Eva und Eric haben mich beide immer bedingungslos unterstützt. In persönlicher wie musikalischer Hinsicht. Wir haben vor den CD-Aufnahmen viel geprobt, und beide haben sich mit grosser Hingabe und Freude eingebracht. Ich schätze beide natürlich auch als fantastische Musiker, kompositorisch wie instrumentaltechnisch. Völlig zu Recht hat Eric den Karl Hofer-Kompositionspreis bekommen. In diesem Trio hört man viel von Eric’s Rock-/Groove-Einflüssen aus seiner Jugend, in der er sehr ähnliche Musik gehört hat wie ich. Genauso wie bei Eva, die auch auf HipHop stand. Diese Verbindung aus gemeinsamer musikalischer Herkunft sowie enger Freundschaft macht das Trio für mich aus.

4. Stichwort „young german jazz“,
a) siehst du dich in diesem Umfeld und was hälts du von diesem Etikett?
b) Du hast in Berlin studiert, was für eine Bedeutung hat die Berliner Szene für dich?
c) du scheinst eine Orientierung nach Skandinavien zu haben, ist die auch musikalischer Art?

Ich denke, es ist schön für junge deutsche Musiker, dass auf verkaufstechnisch sinnvolle Art und Weise auf sie aufmerksam gemacht wird. Es ist ja nicht gerade leicht, von Musik zu leben. Und ich freue mich für Eva, Eric und Michael ,(em), dass sie ihre Musik auch einem grösseren Publikum vorstellen können. b) Ich bin froh , dass ich in Berlin wohne und auch hier studiert habe. Ich denke die Berliner Szene ist sehr inspirierend und vielschichtig. Während meines Studiums war ich teilweise bei zwei Konzerten pro Abend und habe ich immer Unterricht bei verschiedenen Leuten wie z.B. John Schröder genommen, der mir dann neben Gitarren-Dingen u.a. begeistert Pygmäen-Musik oder Drum and Bass-Platten vorgespielt hat. Und es ist schön zu sehen, dass die Szene immer weiter wächst, da so viele Musiker nach Berlin ziehen. c) Ich komme aus Flensburg , gleich an der dänischen Grenze. Also rein geographisch besteht schon mal eine Nähe zu Skandinavien. Ich bin während meiner Schulzeit schon immer gerne nach Dänemark gefahren; sobald man über die Grenze fährt, geht es eine Nummer ruhiger und entspannter zu als in Deutschland. Flensburg hat ausserdem eine dänische Minderheit, die von der dänischen Regierung relativ grosse finanzielle Unterstützung bekommt, um die dänische Kultur in Flensburg aufrechtzuerhalten. Mit diesen Geldern wurden in meiner Schulzeit u.a. viele fantastische Konzerte organisiert. So hat z.B. Niels Henning Orsted Pedersen regelmässig in Flensburg gespielt und immer fantastische Musiker dabei gehabt. In der dänischen Bibliothek gab es die beste Auswahl an Jazz-CD’s im Umkreis, natürlich mit vielen skandinavischen Musikern. Ausserdem fühle ich mich dem Jazz Baltica Festival( das ja einen Schwerpunkt auf Musik aus den Ostsee-Staaten legt) dankbar verbunden, wo ich mit Eva und Nils Tegen lange Jahre die Session eröffnet habe. Dort habe ich einige fantastische Konzerte gesehen und viele Musiker kennengelern. Auf diese Weise bin ich auch musikalisch stark von skandinavischer Musik beeinflusst.

5. Ihr habt das Album im Bohus Sound Recording Studio in Schweden aufgenommen, das ist ungewöhnlich für eine junge Berliner Band, was war der Grund und was ist für dich das
Besondere an diesem Studio?

Eva’s baldiger Ehemann Peter und ein guter Freund von ihm, Martin, hat früher dort gearbeitet. Von daher gab es einen guten Kontakt zum Besitzer des Studios. Als Toningenieur arbeitet dort seit den achtziger Jahren Ake Linton. Er kennt die Räume dort in und auswendig und ist, wie wir, ein grosser Verfechter der Analog-Aufnahme. Eva und Eric hatten dort schon mit (em) aufgenommen, und nachdem ich den Sound dieser Aufnahme gehört habe, war klar, dass auch wir dort Aufnehmen. Mit Ake zu arbeiten war eine grosse Freude. Er ist der Live-Toningenieur vom Esbjörn Svensson Trio und hat schon Platten für ECM aufgenommen, und ich war zu beginn etwas unsicher, aber seine Offenheit und sein Enthusiasmus waren einfach toll. Also zwei vorrangige Gründe: analog Aufnehmen und toller Ton-Ingenieur.

6. Deine CD Sammlung ist auffällig vielseitig, wofür kannst du dich musikalisch begeistern und was sind deine gitarristischen Vorbilder. Die Titel auf der CD sind bis auf eine Ausnahme von dir, wie wichtig ist dir deine Arbeit als Komponist. Und zuletzt die Frage, warum hast du den Pearl Jam Titel als Coverversion gewählt?
Mein erster grosser musikalischer (Gitarren-)Einfluss war mit Sicherheit Mark Knopfler von Dire Straits. Mein Vater hat bei einem Dänemark-Urlaub, als ich noch auf der Grundschule war immer das „Love Over Gold“ Album im Auto gespielt. Irgendwann konnte ich auch die Gitarrensoli in und auswendig. Speziell das 15-Minuten-Stück „Telegraph Road“ hatte es mir angetan. Seine lyrische, gesangliche Art Gitarre zu spielen finde ich aussegewöhnlich. Ich bin immer noch ein grosser Fan und kaufe jede seiner Solo-CD’s. Dann hat mich natürlich das Jimi Hendrix-Fieber gepackt. Damals sind mir pro Auftritt zwei Saiten gerissen, weil ich diese besondere Intensität erreichen wollte. Als ich dann zum ersten mal zufällig eine Solo-Akustiknummer von Pat Metheny gehört habe, die als Hintergrundmusik lief, war ich hin und weg. Diese Musik hatte für mich die gleiche Intensität wie Jimi Hendrix, aber sie wurde auf eine andere Art ausgedrückt. Pat Metheny musste keine Saiten zerreissen und den Gitarrenverstärker aufdrehen um diesen Ausdruck zu erreichen. Dann entdeckte ich sehr bald eine grosse Liebe zu Miles Davis, über den ich auch meine Diplomarbeit schrieb. Zu Beginn meiner Studiumszeit hatten wir eine Band, in der wir fast ausschliesslich Stücke des Scofield/Lovano Quartett’s gespielt haben. Ich habe damals selbst die Intros originalgetreu nachgespielt und fand es einfach genial. John Scofield war ein ausserordentlich bedeutender Einfluss für mich. Als ich zu der Zeit bei einem John Abercrombie-Workshop war und er mich spielen hörte meinte er: „You almost sound like another John.“ Ich bin eigentlich ein grosser Fan von allen möglichen Gitarristen: Jim Hall, Joe Pass, Wes Montgomery, Django Reinhardt, Bill Frisell, John Abercrombie, Mick Goodrick, Kurt Rosenwinkel, etc.. Aber ich bin ebenfalls ein grosser Fan von folgenden Gitarristen: Paco De Lucia, The Edge, James Taylor, Joni Mitchell, Michael Landau, etc.
Pearl Jam ist eine meiner liebsten Bands. Die erste CD „Ten“ erschien als ich 15 Jahre alt war und hat mich damals wie heute einfach umgehauen. Sie hatte ebenfalls damals wie heute einen Ehrenplatz in meiner CD-Sammlung. Ich fühlte mich der Musik und den Texten sehr verbunden. Ich hatte das Gefühl, dass diese Musik aus einer Notwendigkeit heraus entstanden war, die ich bis dahin so noch nicht wahrgenommen hatte. Der einzige Cover-Titel auf der Trio-CD, das letzte Stück „Release“ ist der einzige Song, dessen Text nicht im Booklet von „Ten“ abgedruckt wurde. Der Song entstand, soweit ich weiss, während einer Jam-Session im Proberaum und Ed Vedder, der Sänger, improvisierte den Text dazu. Ich liebe dieses Stück.
Wenn ich das Gefühl habe, dass sich ein Musiker wirklich öffnet und etwas von sich preisgibt, höre ich gerne zu. Ich mag Miles Davis, John Coltrane, Bob Dylan, Joni Mitchell, James Taylor, U2, Pearl Jam, Eric Clapton, Sting, aber auch Messiaen, Gustav Mahler, Beethoven, Bach und Strawinski.
Meine Arbeit als Komponist ist mir sehr wichtig, da ich auf diese Weise meine verschiedenen musikalischen Einflüsse unter einen Hut bringen kann. Wenn ich mich zum Beispiel mit einer Messiaen-Tonleiter beschäftige und dann plötzlich die Melodie für ein Stück entsteht, verbinden sich im besten Fall verschiedene musikalische Einflüsse miteinander. Z.B. eine dissonante Melodie, zu der im kompositorischen Prozess eine ausserordentlich „schöne“ Akkordprogression entsteht. Beim Komponieren handelt es sich bei mir um einen Prozess des Suchens, bei dem ich manchmal etwas finde, manchmal nicht. Ich habe jedes Mal das Gefühl, ich habe keine Ahnung, was ich tue und fange von Vorne an. Es gibt viel zu lernen.

7. Du spielst zur Zeit auch mit der australischen Band Naked Raven und Tim Fischer, was reizt dich an diesen Projekten?
Naked Raven ist eine fantastische Band. Als ich zum ersten Mal die Musik gehört habe war ich sofort von der Intensität des Ausdrucks begeistert. Die ungewöhnliche Besetzung (Gesang, Geige, Cello, Akustik-Git,, Schlagzeug), also kein Bass, und sehr schöne Songs kombiniert mit interessanten, risikofreudigen Arrangements hat mich ebenfalls fasziniert. Die Mitglieder sind allesamt grossartige Musiker und ausserordentlich freundliche Menschen, so dass die Arbeit mit dieser Band eine Freude ist. Es ist ausserdem interessant vor einem anderen Publikum zu spielen, als dem gewohnten Publikum in Jazzclubs. Eine sehr bereichernde Erfahrung. Bei Tim Fischer spiele ich gelegentlich Aushilfe, was mir grossen Spass macht. Er ist ein aussergewöhnlicher Sänger, der bei manchen Stücken genial zwischen Tragödie und Komödie balanciert. Er besitzt eine unglaubliche Präsenz auf der Bühne.

8. Was verbindest du mit dem CD Titel My Tree?
Was für Assoziationen hast Du dazu? Der CD-Titel stammt von dem Pearl Jam-Titel „In My Tree“, den wir ebenfalls mit dem Trio spielen, der es aber nicht auf die CD geschafft hat. Man kann ihn natürlich auch aufs Trio übertragen, der über lange Jahre gewachsene Baum (musikalische Zusammenarbeit/Freundschaft), der hoffentlich noch lange weiterwächst.

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